Super 8

J.J. Abrams verknüpft in seinem jüngsten Film Super 8 nicht nur Science Fiction mit Coming-of-Age-Elementen, er erzählt auch eine Mediengeschichte, in der das Medium selbst zum Protagonisten wird – passend zum 100. Geburtstag von Marshall McLuhan.

1979, als Abrams selbst 13 Jahre alt war, hatte der Super-8-Film gerade seinen Zenit erreicht. Das in den 1960ern entwickelte Format hat eine ganze Generation von Hobbyfilmern geprägt, heute ist es zum Kult avanciert. Vor allem hat es – neben der Fotographie – eine neue Form der Erinnerungskultur in den privaten Raum gebracht, wo es der Intimität eine zusätzliche Perspektive verschafft, die zum Teil der eigenen Biographie wird (deshalb ist es uns manchmal unangenehm, wenn wir Aufnahmen von uns aus vergangenen Tagen sehen; Joe will den Projektor schnell wieder ausschalten, als Alice seine Babyaufnahmen sieht).

Wenn aber so gut wie jeder Zugriff auf eine Technologie hat, die früher nur einer Elite vorbehalten war, dann enthält diese Entwicklung auch eine politische Dimension. Staatlich kontrollierte Aufnahmen aus einem geheimen Militärarchiv stehen im krassen Gegensatz zum anarchischen Potential des Hobbyfilms. Als das Militär den entgleisten Zug untersucht, findet es einen leeren Waggon und leere Super-8-Verpackungen; der Gefangene wie das Medium sind befreit und lassen sich nicht mehr kontrollieren. Hier liegen die Ursprünge einer Demokratisierung der Bilder, die mit der heutigen Verbreitung im Internet ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Der politische Akt beginnt jedoch bereits mit dem Drücken der Aufnahmetaste.

Aber wie auch immer private und politische Erinnerung inszeniert wird, sie unterwirft sich zwangsläufig den Gesetzen des Mediums (Kameraeinstellung, Licht etc.) und des Marktes innerhalb einer Aufmerksamkeitsökonomie (Charles: „Production value!“).

Es wurde J.J. Abrams vorgeworfen, dass der Einfluss von Steven Spielberg beim Drehbuch an ein Plagiat grenze (Unheimliche Begegnung der dritten Art, E.T.). Als historischer Genrefilm (eine Gattung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, z.B. Watchmen und X-Men: Erste Entscheidung) nimmt Super 8 aber das Jahr 1979 nicht nur als Setting für die Handlung, sondern übernimmt auch die zeitgenössischen Genrekonventionen (inklusive des Zombiefilms); das ist konsequent, wenngleich auch nicht besonders innovativ. Das Verweben von Zeit-, Film- und Mediengeschichte ist Abrams jedenfalls gelungen.

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